Die Mitarbeiterinnen vom Projekt bleib dran Pflege stellen sich vor
Seit 2023 unterstützt das Projekt „Pflegeausbildung – Bleib dran” Auszubildende, ihre Probleme in der Ausbildung zu lösen. Das Angebot richtet sich an alle Auszubildenden in der Pflege, die einen vorzeitigen Ausbildungsabbruch erwägen. Es wurde nun um drei Jahre verlängert. In einem Interview berichten die Projekt-Mitarbeiterinnen Katharina Matthes und Anja Brünig (beide sind bei der wisoak angestellt) von den Sorgen und Nöten, mit den die Auzubildenen zu ihnen kommen, welche Hilfestellung zu geben können und waas sie motiviert hat, in diesem wichtigen Projekt zu arbeiten.
Was war der Anlass für die Entstehung des Projekts „bleib dran“ und welches Problem in der Pflegeausbildung möchten Sie damit konkret angehen?
Anja Brünig, Projektmitarbeiterin Anlass für die Entstehung von „Bleib dran“ war die hohe Abbruchquote in der Pflegeausbildung im Land Bremen. Rund 30% der Auszubildenden brechen die Ausbildung vor dem Abschluss ab – das verschärft den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel in der Pflege. Konkretes Problem, das angegangen wird: Viele Abbrüche sind unreflektiert oder vermeidbar und liegen häufig nicht primär in der Ausbildung selbst, sondern in begleitenden Schwierigkeiten wie Wohnungsnot, finanziellen Sorgen, familiären Belastungen, psychosozialen Problemen, Integrations- und Behördenfragen oder Konflikten im Arbeitsalltag. „Bleib dran“ soll genau hier ansetzen, um voreilige Abbrüche zu verhindern und Auszubildende dabei zu unterstützen, die Ausbildung trotz solcher Hürden fortzusetzen.
Mit welchen Herausforderungen kommen Auszubildende am häufigsten zu Ihnen – und wie unterstützen Sie sie dabei, eine gute Lösung zu finden?
Katharina Matthes, Projektleiterin und -mitarbeiterin Die Themen sind so vielfältig wie die Lebensrealitäten der Azubis selbst. Häufige Gründe für eine Beratung sind unter anderem Probleme mit der Wohnung oder dem Vermieter:in, finanzielle Engpässe, Schwierigkeiten im Betrieb oder mit der Schule, familiäre oder gesundheitliche Belastungen, Fragen zu Integration, Aufenthalt oder Behörden oder die Unsicherheit, ob das überhaupt der richtige Beruf für die Person sei. Darauf gibt es bei „Bleib dran“ keine Standardantworten – sondern individuelle, vertrauliche Gespräche, in denen es vor allem eines gibt: Zeit und Gehör.
Was macht das Beratungsangebot von „bleib dran“ besonders, und welche Rolle spielen dabei Vertrauen, Vertraulichkeit und die persönliche Beratung?
Katharina Matthes Uns ist besonders wichtig, das die Gespräche in einem vertraulichen Rahen stattfinden. Die Personen sollen bei uns dass Gefühl haben, offen über alles sprechen zu können. Ganz wichtig ist dabei, dass das Projekt nicht Teil des Schulsystems (im Unterschied zur Schulsozialarbeit, Anm. der Redaktion) und völlig neutral berät – das schafft Vertrauen, weil Auszubildende keine Nachteile durch Schule oder Arbeitgeber befürchten müssen. Wichtig ist boch zu erwähnen, dass das Angebot der Verschwiegenheitspflicht unterliegt und Beratungen auch anonym möglich sind.
Anja Brünig Zudem ist das Angebot kostenfrei und findet vor Ort in der Pflegeschule, in der Einrichtung oder auch außerhalb statt und ist damit leicht zugänglich.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pflegeausbildung in Bremen und Bremerhaven – und welchen Beitrag kann „bleib dran“ dazu leisten?
Anja Brünig Bremen und Bremerhaven brauchen dringend mehr Pflegefachkräfte. Bis 2035 werden rund 1.400 zusätzliche Kräfte benötigt. Jede Ausbildung, die erfolgreich abgeschlossen wird, zählt. „Bleib dran“ kann hier einen Beitrag leisten: durch frühzeitige Unterstützung, mehr Resilienz bei Auszubildenden und bessere Rahmenbedingungen in der Ausbildung. Langfristig geht es darum, nicht nur mehr Abschlüsse zu erreichen, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Fachkräfte nach der Ausbildung im Beruf bleiben. Konkret würden wir uns einen Ausbau des Beratungsangebots wünschen und eine enge Vernetzung mit dem geplanten Welcome-Center für Pflegefachkräfte, die sich im Anerkennungsverfahren befinden.
Was hat Sie persönlich dazu bewegt, als Beraterin bei „bleib dran“ mitzuwirken, und was bedeutet Ihnen diese Aufgabe?
Anja Brünig Mich hat vor allem angesprochen, dass ich junge Menschen in einer wichtigen und manchmal schwierigen Phase ihrer Ausbildung begleiten und ihnen wirklich zuhören kann. Ich finde es schön, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und ihnen vielleicht genau dann weiterzuhelfen, wenn sie alleine gerade nicht weiterkommen. Für mich bedeutet „Bleib dran“ deshalb, die Auszubildenden zu ermutigen, ihnen Sicherheit zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.**
Katharina Matthes Ich glaube, dass jede Ausbildungschance zählt. Ich weiß, wie wertvoll gute Pflege ist, da ich selbst mehrere Jahre in verschiedenen Pflegebereichen gearbeitet habe. Ich empfinde es als äußerst wichtig, junge Menschen auf diesem Weg zu begleiten. Für mich ist es mehr als ein Projekt: Es ist eine Haltung. Eine Einladung, nicht aufzugeben. Sondern dran zu bleiben.
Foto: Katharina Matthes, Projektleiterin und -mitarbeiterin (links) Anja Brünig, Projektmitarbeiterin (rechts). Beide sind bei der wisoak angestellt.